Kuppelproduktion

Die Kuppelproduktion bezeichnet ein Fertigungsverfahren, bei dem neben der Herstellung des Hauptproduktes auch mindestens ein weiteres Nebenprodukt anfällt. 

Definition: Was ist Kuppelproduktion?

Kuppelproduktion, auch als Verbundproduktion oder Koppelproduktion bezeichnet, ist ein Produktionssystem von Unternehmen, bei dem aus einem gemeinsamen Produktionsprozess mehrere Produkte entstehen. Dabei handelt es sich um ein Hauptprodukt und ein oder mehrere Nebenprodukte. Diese werden auch Kuppelprodukte oder Koppelprodukte genannt. Sie können entweder gewünscht und nützlich oder auch ungewollt sein - zum Beispiel, wenn es sich dabei um Abfall, Abwärme oder Abwasser handelt. In diesem Fall belasten die Nebenprodukte nicht nur das betriebswissenschaftliche Ergebnis, sondern auch die Umwelt. Die Gründe für diese Neben- bzw. Kuppelprodukte sind häufig chemischer, physikalischer oder technischer Natur.

Definition: Was ist die Restwertmethode?

Die Restwertmethode, auch als Restkostenmethode bezeichnet, ist eine Methode zur Kostenzurechnung in der Kuppelproduktion. Bei dieser Methode werden die gesamten Kosten der Produktion zunächst dem Hauptprodukt zugerechnet. Nachdem die Kosten des Hauptprodukts bestimmt wurden, werden alle übrigen Kosten den Kuppelprodukten zugewiesen. Ziel ist die Ermittlung der Herstellkosten des Hauptprodukts - dies sollte die Mehrheit der Kosten tragen. Die Nebenprodukte werden aus dem verbleibenden Wert, dem "Restwert", abgeleitet.

Welche Arten von Kuppelproduktion gibt es?

Grundsätzlich unterschieden wird zwischen fixer und flexibler Kuppelproduktion. Diese Unterscheidung gibt an, wie eng die Produktionsmengen der verschiedenen Produkte miteinander verbunden sind.

Fixe Kuppelprodukte

Bei der fixen bzw. starren Kuppelproduktion entstehen Haupt- und Nebenprodukte in einem festen Verhältnis zueinander. Das bedeutet, dass die Produktionsmenge eines Produktes direkt die Produktionsmenge des anderen Produktes bestimmt. Die Mengenverhältnisse sind hier starr und können nicht ohne Weiteres geändert werden. Dies ist zum Beispiel bei der Produktion von Zuckerrüben der Fall. Im Produktionsprozess entsteht neben Zucker auch Melasse - Das Mengenverhältnis dieser beiden Produkte ist weitgehend festgelegt und basiert auf den Eigenschaften der Zuckerrüben und dem Herstellungsprozess.

Flexible Kuppelprodukte

Bei der flexiblen bzw. lenkbaren Kuppelproduktion wird die Menge der entstehenden Stoffe beeinflusst - und zwar über die eingestellten Parameter. Das Mengenverhältnis zwischen den Produkten ist lenkbar und kann je nach Marktbedingungen oder anderen externen Faktoren angepasst werden. Bei Beispiel wäre eine Raffinerie, die aus Rohöl eine Vielzahl von Produkten wie Benzin, Diesel, Kerosin und Schmieröle herstellen kann. Abhängig von den Marktanforderungen und Preisen kann die Raffinerie ihre Prozesse so steuern, dass von einem bestimmten Produkt mehr oder weniger hergestellt wird.

Warum wird die Kuppelproduktion angewendet?

Ein großer Vorteil der Kuppelproduktion ist die optimalen Ressourcennutzung. Durch das Entstehen von Haupt- und Nebenprodukten aus demselben Produktionsprozess werden Rohstoffe und Energie effizienter genutzt. Dies kann sowohl die Produktionskosten senken als auch zur nachhaltigeren Produktion beitragen, da weniger Abfall erzeugt wird. Gerade in Branchen mit teuren und begrenzten Rohstoffen, wie zum Beispiel in der Stahlproduktion, wird die Kuppelproduktion häufig eingesetzt. Beim Verhütten von Eisenerz entsteht nicht nur Stahl als Hauptprodukt, sondern auch Schlacke als Koppelprodukt. Während Stahl in der Bauindustrie und vielen weiteren Bereichen genutzt wird, kann Schlacke beispielsweise im Straßenbau eingesetzt werden.

Vorteile der Kuppelproduktion

  • Effiziente Ressourcennutzung durch optimale Verwendung von Rohstoffen und Energie
  • Reduzierung von Abfallentsorgungskosten und optimalere Nutzung von Produktionsanlagen sorgt für Kosteneinsparungen und Nachhaltigkeit
  • Nebenprodukte können neue Marktchancen eröffnen
  • Gemeinsame Produktionsschritte können Effizienz erhöhen
  • Einzigartigkeit in der Produktion kann zu einem Wettbewerbsvorteil führen
  • Insbesondere bei flexiblen Kuppelprodukten kann die Produktion an Marktbedürfnisse angepasst werden.
  • Minderung von Emissionen und anderen Umweltauswirkungen durch die Verringerung von Abfällen
  • Gemeinsame Lagerung und Transport von Haupt- und Nebenprodukten können Kosteneffizienzen erzeugen

Was sind die Nachteile der Kuppelproduktion?

Entstehen bei der Kuppelproduktion nicht verwertbare Abfälle bzw. unerwünschte Nebenprodukte, ist dieser Produktionsprozess zwangsläufig mit Nachteilen verbunden. So entstehen zum Beispiel unerwünschte Kuppelprodukte wie Kohlenstoffmonoxid oder Fluorchlorkohlenwasserstoffe. Zudem kann die Verwaltung mehrerer Produkte den Produktionsprozess komplizierter machen. Unterschiedliche Produkte benötigen unterschiedliche Lagerbedingungen, was zu erhöhten Lagerkosten führen kann. Bei fixen Kuppelprodukten kann die Unfähigkeit, die Produktionsmengen anzupassen, zu Überschüssen oder Mängeln führen.

Beispiele für die Kuppelproduktion

Typische Beispiele für Kuppelproduktionsprozesse sind beispielsweise:

  • Kokereien (Koks, Gas, Teer, Benzol)
  • Hochöfen (Roheisen, Gichtgas, Schlacke)
  • Raffinerien (Benzine, Öle, Gase)
  • Molkerei (Milch, Käse, Fette)
  • Schlachthof (Fleischsorten, Häute, Knochen, Fette)

Fiktives Beispiel: Fruchtsaft

In einer Saftfabrik werden aus Äpfeln Apfelsaft produziert. Dieser stellt das Hauptprodukt dar. Der Hauptproduktionsprozess zielt also darauf ab, frischen Apfelsaft zu produzieren. Die übrig gebliebenen Apfelschalen und -reste sind die Koppelprodukte, aus denen ein weiteres Produkt entstehen kann. Denkbar wäre zum Beispiel die Weiterverwertung als Tierfutter oder Kompost.

Fiktive Kostenverteilung mit der Restwertmethode

  • Gesamtkosten der Produktion: 10.000€ (Kauf der Äpfel, Maschinen, Energie, Arbeitskräfte usw.)
  • Direkte Kosten für das Hauptprodukt: 7.500€ (spezielle Saftpresse, die Abfüllung und die Lagerung)
  • Restwertbestimmung: 10.000€ - 7.500€ = 2.500€ sind die verbleibenden Kosten
  • Verteilung des Restwerts auf die Nebenprodukte: Dieser Restwert kann nun basierend auf verschiedenen Kriterien
    auf die Nebenprodukte verteilt werden. Beispielsweise könnten 1.500€ den Apfelschalen (zur Herstellung von Tierfutter oder Kompost) zugewiesen werden, während 500€ den Apfelkernen (zur Ölproduktion) und 500€ den Fruchtfleischresten (zur Herstellung von Apfelmus oder Trockenprodukten) zugeordnet werden.

Vermarktung der Produkte:

  • Apfelsaft: Hauptverkaufsprodukt
  • Apfelschalen: Verkauft an Unternehmen, die Tierfutter oder organischen Dünger herstellen.
  • Apfelkerne: Könnten an Unternehmen verkauft werden, die z.B. Apfelkernöl herstellen.
  • Fruchtfleischreste: Verkauft als Basis für Apfelmus, Marmelade oder getrocknete Apfelsnacks.
Durch die Verwendung der Nebenprodukte hat die Saftfabrik die Möglichkeit, die Menge an Abfall, die sie produziert, erheblich reduzieren. Dies ist nicht nur umweltfreundlich, sondern eröffnet auch zusätzliche Einkommensquellen für die Fabrik, da sie die Nebenprodukte verkaufen kann. 

 

 

Noch mehr Wissen in unseren REMIRA Whitepapern

In unseren Whitepapern erhalten Sie nützliche Praxistipps rund um die Themen Supply Chain und Omnichannel Commerce.

Integriertes Sales & Operations Planning Bild

Integriertes Sales & Operations Planning

Kostenlos anfordern
Out-of-Stocks vermeiden - Verfügbarkeit erhöhen Bild

Out-of-Stocks vermeiden - Verfügbarkeit erhöhen

Kostenlos anfordern
Die optimale Supply Chain für den Ersatzteilhandel Bild

Die optimale Supply Chain für den Ersatzteilhandel

Kostenlos anfordern
Lagerverwaltung für Logistikdienstleister Bild

Lagerverwaltung für Logistikdienstleister

Kostenlos anfordern
Leitfaden Lieferantenintegration Bild

Leitfaden Lieferantenintegration

Kostenlos anfordern
Einfach Inventur: Der Inventurleitfaden Bild

Einfach Inventur: Der Inventurleitfaden

Kostenlos anfordern
Vendor Managed Inventory: Vorteile für Händler und Lieferanten Bild

Vendor Managed Inventory: Vorteile für Händler und Lieferanten

Kostenlos anfordern
S&OP in der Lebensmittelbranche Bild

S&OP in der Lebensmittelbranche

Kostenlos anfordern

Alle Glossar-Begriffe

Advanced Planning and Scheduling API Artikelnummer ASIN Auftrag Auftragsabwicklung Auftragsdurch­laufzeit Auftrags­fertigung Augmented Reality AutoStore Avisierung Bedarf Belegausgabepflicht Beleglose Lagerführung Beschaffung Beschaffungslogistik Beschaffungsmanagement Beschaffungsplanung Best-of-Breed Bestand Bestandscontrolling Big Data Blockchain Bottom-Up Planung Business Intelligence Software Buy Box Category Management Chaotische Lagerhaltung Charge Click and Collect Click and Reserve Cloud Commerce Corporate Social Responsibility Curated Shopping Curbside Pick-up Customer Experience Management Customer Journey Customer Relationship Management (CRM) Data Warehouse Digital Commerce Digital Signage Direct-to-Consumer (D2C) Disponent Distributionslager Distributionslogistik Dropshipping DSFinV-K Durchlaufregal Durchlaufzeit (DL) E-Procurement EAN EDI Clearing Center EDIFACT Endless Aisle Exoskelett Fahrerloses Transportsystem (FTS) Fast Moving Consumer Goods (FMCG) FEFO FIFO Fiskalisierung Fiskalspeicher Flottenmanagement Flurförderfahrzeug Fourth Party Logistics - 4PL Frontend Gamification Gebinde Gegenstrom­­­verfahren Geschenkbon GoBD Green Logistics GTIN - Global Trade Item Number Handelslogistik HIFO Integrated Business Planning (IBP) Integrierte Planung Internet of Things (IoT) Intralogistik Inventursoftware Inventurverfahren IWD PS 880 Kassensicherungsverordnung (KassenSichV) Kaufentscheidung Key Performance Indicator (KPI) KMU Kommissioniermethoden Kommissionier­verfahren Kommissio­nier­lager Konsignationslager Kontraktlogistik Kuppelproduktion Künstliche Intelligenz Ladeeinheit Ladehilfsmittel Lager Lagerarten Lagerbestand Lagerhaltung Lagerhaltungskosten Lagerkennzahlen Lagerlogistik Lagerverwaltungssystem Lebensmittellogistik Lieferantenintegration Lieferfähigkeit Lieferkettengesetz Liefertreue LIFO LOFO Logistik und ihre Teilbereiche Losgrößen Management by Exception Maschinelles Lernen Materialfluss Materialwirtschaft Maximalbestand MDE-Gerät Meldebestand Micro-Hub Mindestbestand Mindesthalt­barkeitsdatum (MHD) Mobile Commerce (M-Commerce) Mobile Datenerfassung Mobile Kasse mPOS (Mobile Point of Sale) Multichannel Nullbon Omnichannel Omnichannel Commerce Order Management Order Management System (OMS) Palette Payment Provider Permanente Inventur Pflichtenheft Pick-by-Cart Pick-by-Light Pick-by-Paper Pick-by-Scan Pick-by-Voice Pick-by-Watch Planogramm POS (Point of Sale) Procurement Software Product Experience Management (PXM) Product Lifecycle Management (PLM) Produktinformations­management (PIM) Produktionslogistik Push & Pull Quick Commerce Radio Frequency Identification (RFID) Recommendation Engines Regalbediengerät (RBG) Regalplanung Repricing Responsive Design Ressourcenmanagement Retail Retoure Retourenmanagement Return-in-Store ROPO-Effekt Self-Checkout SGTIN Ship-from-Store Showrooming Sicherheitsbestand Social Commerce Software Software-as-a-Service (SaaS) Space Management Stationärer Handel Streuverlust Stückgut Stückliste Supplier Relationship Management (SRM) Technische Sicherungs­einrichtung (TSE) Top-Down Planung Transportlogistik Transportmanagement TUL-Prozesse Umlagerung Umschlagslager Umschlagslogistik Unified Commerce Unternehmenslogistik Virtuelles Lager Voice Commerce Vor- und nachverlegte Inventur Vorratslager Warehouse Management System Warenausgang Warendisposition Wareneingang Warenwirtschaftssystem Wiederbeschaffungszeit Zeitfenster­management Zentrallager Zulieferer Zwischenlager